Die Herren der Erde

Maximilian Wust - Die Herren der Erde

Die Herren der Erde
Ein Biopunk-Horror von Maximilian Wust
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Vorsicht: Längeres Vorwort voraus! Wenn’s zu langweilig wird, bitte überspringen.

Die Kurzgeschichte von den Herren der Erde ist alt; eine der ältesten, die ich im Backup meiner ersten Festplatte finden konnte und meine erste Kontroverse – weshalb ich sie nun auch hier veröffentliche.

1998 war ein gutes Jahr. Meine Noten besserten sich, Unreal und Half-Life revolutionierten den Videospielmarkt und ich fand in meinem Religionslehrer endlich eine Bühne für mein Geschreibsel. Gelang es einer Kurzgeschichte, ihn zu überzeugen, las er sie vor der Klasse vor … was jedoch im Regelfall dazu führte, dass meine Klassenkameraden (alle 16 bis 17 Jahre alt) vor allem Verbesserungswünsche wie „Lass’ sie ficken!“ und „Mehr Titten!“ äußerten. Ja, meine Storys wären wirklich zu philosophisch und zu brav, da pflichtete sogar eben jener Religionslehrer bei. Da hatte er Recht und so verfasste ich Die Herren der Erde, übertrieben blutig, provokant und als Beweis, dass ich auch anders kann.

Was leider zu gut funktionierte. Kaum hatte mein Religionslehrer den letzten Satz vorgelesen, kamen ziemlich schnell die Fragen, was das denn bitte für kranker Scheiß sei. Binnen einer Woche reichte meine zweifelhafte Berühmtheit über die ganze Jahrgangsstufe. Mitschüler sprachen mich an, wollten eine Kopie oder mir mitteilen, wie kaputt ich im Hirn wäre.

Bevor du, lieber Leser, jetzt allerdings einen Abstieg in den Wahnsinn erwartest: Was Ende der 90er anstößig und kontrovers war, ist heute kaum noch ein Schulterzucken wert. In jedem Fan-Fiction-Forum findet man heute nach spätestens vier Mausklicks „schlimmere“ Geschichten mit weitaus gruseligeren Phantasien.

1998 wagte ich es jedenfalls nicht mehr, kontrovers zu werden. Ich schrieb wieder ganz nüchtern von alten Zivilisationen, Orwell‘schen Diktaturen und einsamen Wanderschaften und verstand erst mit dem Roman Feuchtgebiete, dass ich eigentlich alles richtig gemacht hatte.

Ich hätte nur einen anderen Namen darunter setzen müssen. 

***

Die nun hier veröffentlichte Fassung ist stark überarbeitet. Ich habe die Formulierungen flüssiger gemacht, den Übergängen ein wenig ihres holprigen Charakters genommen, aber dennoch versucht, jeden Schlüsselsatz im Originalzustand belassen, um dem sinnsuchenden, vom Selbstzweifel zerfressenen 15-jährigen, der ich damals war, noch einmal seine Bühne zu lassen. Deshalb steht auch noch die Einleitung, die ich heute als Ganzes herausgekürzt hätte.


 

NACH DEM FLEISCH.

Patrick, den alle nur Patti nannten, war nach dem Fleisch geboren worden.

Die Welt davor kannte er nur noch von Bildern und Filmen, die auf einem der letzten Fernseher ihrer Gruppe sah, der mit dem letzten Benzingenerator betrieben wurde.

Früher hatte es über ihnen, an der Oberfläche ein Land gegeben, wo man frei und sicher in Schluchten aus Beton wohnte, in Metallzylindern namens Flugzeugen über den Himmel schwebte und es mehr Bücher gegeben hatte, als Menschen in der Kolonie lebten. Im Winter schraubte man an einem weißen Metallgerippe und es wurde warm. Wenn man mit jemanden reden wollte, benutzte man die Sprechmaschine Telefon und schon konnte man ihn hören, ganz gleich wo er gerade war. Und niemand musste hungern! In großen Supermarkt-Essenshäusern gab es mehr Fleisch, Eier und Pudding, als die ganze Kolonie hätte essen können.

Patrick faszinierten diese Wunder der alten Zeit, in der man angeblich alles hatte und nichts zu schätzen wusste.

Eine Welt, die angeblich mit einem Husten untergegangen war.
Das Ende begann in einer Stadt namens Moskau, wo jemand zu husten begann und zwar so schwer, dass er gleich darauf das Bewusstsein verlor und nicht wieder aufwachte. Tage später husteten Hunderte wie er, dann Tausende. In der Tagesschau sprach noch von einer nie dagewesenen Epidemie, dazwischen erklärte man den Virus, der wohl keiner war, für unheilbar, bevor die ganze Welt sah, was er den Infizierten antat. Sie starben nicht einfach wie nach einer Grippe … sondern wucherten.

Patrick sah es im Fernseher im Zeitraffer, also als Film, den man schneller als die Wirklichkeit laufen ließ: Ein Mann mit Schnurrbart atmete und atmete, ganz schnell, so als würde er zucken. Zehn Minuten vergingen per Filmtrick in einer Sekunde. Der Mann atmete schließlich ruhiger, er entspannte sich und rankenartige Geschwüre wuchsen aus seiner Stirn. Zuerst kletterten sie nur den Bettstock hinunter, danach wie Efeu die Wand hinauf zum Fenster hin. Sein Bettnachbar mutierte genauso, ihre schmelzenden Körper trafen sich und wurden zu einem Geflecht aus Fleisch. Ihre Bäuche sprenkelten sich mit Löchern, aus denen bald schon der Virus dampfte. In den letzten Sekunden des Videofilms stürmten vermummte Gestalten in den Raum und verbrannten das Wesen mit Flammenwerfern.

Diese Krankheit – die Vereinigung, wie man sie oft nannte – tobte nur Wochen nach dem Ausbruch in Moskau auf der ganzen Welt.

In den USA und Europa hielt man die Infizierten systematisch davon ab, zu Geschwüren zu werden. Man riegelte Ortschaften ab, errichtete Straßensperren und vernichtete ganze Landkreise mit Brandbomben, um die neue Krankheit unter Kontrolle zu halten. In Afrika und Südamerika gelang das nicht. Dörfer, bald ganze Landstriche verschwanden unter einem alles verschlingenden Teppich aus Fleisch. Es ernährte sich von den Regenwäldern, von den Flüssen und schließlich sogar von Sonnenlicht und Erdwärme, infizierte auch die Tiere und vermehrte sich weiter, bis die Sporenwolken sogar nach Norden zogen und das, was von der westlichen Welt noch übrig war, zu Geschwüren anschwellen ließen. Schwitzende Städte aus Haut und Sehnen überwucherten die bald grauen Städte aus Asbest.

Natürlich gab es auch viele, die gegen die Sporenwolken immun waren, angeblich sogar ein Viertel aller Infizierten, die aber schon bald einer neuen Bedrohung gegenüber standen: Das Fleisch, so nannte man eines Tages die Weltgeschwüre, züchtete in ihren kilometerweiten Körpern Bestien und begann sich gegenseitig um Lebensraum zu bekämpfen und nebenher die Menschheit auszurotten.

Von ihr waren nur noch voneinander getrennte Kolonien übrig, auf kleinen Inseln, geschützten Tälern und einem Flugzeugträger, auf dessen Rollbahnen man angeblich Felder anlegte, aber auch zu ihnen riss schließlich der Satellitenkontakt ab.

Was aus ihnen wurde, war Patricks Kolonie unbekannt.

Zusammen mit etwa achthundert anderen Noch-Menschen, wie sie sich nannten, lebte der 16-jährige in einem Wald, irgendwo in einer Gegend, die man früher Allgäu getauft hatte. Oder besser: Darunter. Was vom Allgäu, vielleicht sogar ganz Deutschland oder Europa noch übrig war, hauste in einem Tunnel- und Höhlensystem, wo man früher Blei und Silber aus der Erde geholt hatte.
Alle beklagten oft, zu welcher Hölle die Welt geworden wäre. Oben herrschten die Herren der Erde, sagte die Neu-Oma oft, und hier unten brütet das Ungeziefer. Patrick klagte gerne mit, wusste irgendwann aber gar nicht mehr, warum. Es war halt so, wie es war.

Die Kinder der neuen Welt, der einzigen, die er je gekannt hatte, spielten in der Dunkelheit, badeten in überfluteten Stollen, sammelten und tauschten Mineralien, faulenzten unter den Sonnenschächten oder machten Mutproben, wer sich am längsten auf die Oberfläche stehlen konnte. Der Gewinner kehrte nicht wieder.

Hier unten war man sicher, oben gab es den Wald. Dieser war schön, aber gehörte irgendwie auch dem Brustkorb im Norden, also der riesigen, brustkorbartigen Stadt des Fleisches. Und dort brüteten alle Alpträume, mit denen die Herren der Erde Jagd auf die letzten Menschen machten: Knochenmänner, Zähnefinger, Gallenböden, Schädelsammler und Grasattrappen – Patrick reichten schon die Namen.

Trotzdem war er glücklich. Seine Familie, seine Freunde, Actionfilme und Nintendospiele am Fernseher, und wenn es immer die gleichen waren und heimlich Beerenschnaps mit Svenja trinken. Das genügte Patrick, den alle Patti nannten, um zufrieden zu sein.

Bis das Fleisch zum finalen Schlag ausholte.

***

Patrick, sein Vater, Onkel Ferdi und seine Schwester Sanni brachen an jenem Tag früh auf.

Der bärtige, große Mann, zu dem Patrick voller Stolz aufsah, weckte seine Kinder lange vor Sonnenaufgang und verkündete, dass die Brombeerenzeit angebrochen sei. Wenn sie heute fleißig wären, würde Mama morgen Marmelade kochen! Also, die neue Mama. Die Alte, die Richtige, die Patrick nie gekannt hatte, wäre angeblich eines Tages nach oben gegangen, hätte sich bis auf die Socken ausgezogen und sei auf den Brustkorb zugelaufen.

Heute jedenfalls begrüßte Patrick die Expedition. Oben war es zwar gefährlich, aber dafür wäre er von der Schule befreit. Und dafür wiederum nahm er gern ein paar Mutanten in Kauf, scherzte er noch, als sie zu viert die Leitern hinaufstiegen.

In den obersten Schächten folgte das immer gleich Prozedere: Über ein Periskop prüften sie, ob auch nichts in den Köderkammern herumschlich, dann kletterten sie zu viert hinein, Vater mit dem Gewehr voraus. Die Köderkammern wirkten auf den ersten Blick so, als wären sie von Menschen bewohnt: Es gab Schlafsäcke, Essensreste, eine Feuerstelle und es kackte sogar jemand regelmäßig in ein Loch in einer Hinterkammer. Falls die Kreaturen des Fleisches einer Fährte folgten, sollten sie so glauben, dass hier jemand lebte, aber nun nicht mehr hier wäre – und so nicht auf die Idee kommen, dass hinter einer Geheimtür eine ganze Stadt lag. Das hatte bisher wunderbar funktioniert. Wurde eine Köderkammer entdeckt, verschüttete man leise den Geheimeingang und grub sich anderswo wieder nach draußen.

Auf die Höhle folgte der Wald und dieser wirkte wie immer unberührt und lebendig. Die Sonne ging gerade auf, ihre Strahlen bohrten sich durchs Geäst und verjagten die Nebelgespenster am Boden. Morgentau glänzte in den Spinnennetzen, die ersten Insekten zogen müde ihre Bahnen. Patrick genoss den weichen Waldboden, das Unterholz, die Blätter, Gräser, Pilze … als hätte man eine weiche Decke aus Leben über den Steinboden gelegt.

Hier und da ragten mannshohe Knochengebilde aus der Erde – die Vorboten der Fleisches, die tot, wie verknöcherten Finger eines Riesen, daran erinnerten, dass die Geschwüre hier aus irgendeinem Grund nicht wachsen konnten. „Verreckt!“, „Sterbt!“ und andere Flüche, aber auch Bitten und Gebete waren von den Noch-Menschen die Panzerplatten geritzt worden. Patricks Vater kratzte immer einen Strich unter seinen Namen, wenn er länger als einen Tag unterwegs war und im Jagdrevier des Fleisches übernachten musste. Onkel Ferdi zählte zwanzig solcher Striche, Doske stolze Hundert.

„Gehen wir los!“, befahl der Vater und ging voran.

Patrick überlegte, ob diese Knochenstelen nicht ein Köder des Fleisches wären. Denn überall, wo sich etwas in den Panzer ritzte, und wenn es nur ein paar Striche waren, musste noch jemand leben, ob nun Menschen oder Eichhörnchen, die gerade Schreiben lernten.

***

Den Vormittag über sammelte die Familie wie geplant Brom- und Beeren aller Art.

Ansonsten geschah nichts. Sie entdeckten keine Augenschnecke, bemerkten keine auffälligen Bewegungen und fanden noch nicht einmal ein totes Bodengebiss, so wie die letzten beiden Male. Sie hatten einfach einen schönen Tag und zu Mittag aßen sie frisches Pilzbrot.

Vater und Onkel Ferdi wechselten sich regelmäßig mit der Waffe ab und überwachten das Umland. Als sie wieder das Gewehr und den Wachposten tauschten, bemerkte der Onkel, was sie alle dachten: „Ist in letzter Zeit ruhig geworden, was? So als würd‘ das Fleisch Pause machen.“

Der Vater nahm die Flinte an sich. „Doske meinte was von wegen, dass der Brustkorb komisch riecht und keine neuen Knochenmänner mehr geboren werden. Vielleicht ist er krank geworden.“ Doske war der mutigste Erkunder ihrer Gruppe. Zwar nicht der Einzige, der es sogar wagte, in die lebendigen Bauwerke des Fleisches hineinzuklettern, aber der Einzige, der es wieder herausgeschafft hatte.

Der Onkel erwiderte: „Kann sein, dass das wie mit so ´ner Monokultur ist. Im Brustkorb hat sich vielleicht ein Schädling breit gemacht. Und jetzt frisst er ihn auf. Wie ein Geschwür im Geschwür“, scherzte er und alle lachten. Sie wussten, dass dem nicht so war, aber es tat gut, sich Hoffnung zu machen.

Sanni, Patricks hellblonde, ältere Schwester, fiel plötzlich etwas auf. „Ferdi, du hast da einen Wurm.“

„Einen Wurm?“

Tatsächlich! Aus Onkel Ferdis linkem Auge ragte ein Würmchen und verschwand sofort unter seinem Lid.

Ehe der Vater reagieren konnte, war es auch schon zu spät. Onkel Ferdi verkrümmte sich seltsam, seine Glieder schienen verrückt zu spielen, er tanzte mit übermenschlicher Geschwindigkeit um sich selbst und riss dem Vater das Gewehr wieder aus der Hand, um es seltsam unbeholfen auf die Familie zu richten.

Etwas sprach aus seiner Nase, während sein Mund geschlossen blieb … und Blut heraustropfte. „Sie. Werden. Kommen.“, sagte es. „Ergebt. Euch. Einfach.“

„Etwas ist in ihm …“, erkannte der Vater. „Lauft!“

Was sie auch taten.

Onkel Ferdis Bauch blähte währenddessen sich auf, seine Rippen brachen, während sich sein Kiefer blutig spreizte. Dieser Wurm funktionierte ihn um, verstand Patrick noch. Bevor das, was einmal ihr Onkel gewesen war, einen ohrenbetäubenden Schrei von sich gab, den man über das ganze Tal hören konnte!

Vögelschwärme stoben aus den Baumwipfeln.

Etwas erwiderte das Geheul.

Onkel Ferdi war zu einer biologischen Alarmsirene geworden und alles, was die Geschwüre zu bieten hatten, strebte nun auf ihn zu. Und damit auf sie. Was der Onkel mit dem Leben bezahlte. Sein Blut überströmter, immer noch heulender Körper erbrach Gedärme und sackte gleich darauf zusammen. Mehr konnte Patrick nicht mehr erkennen, bevor die Familie den einen Hügel hinab flüchtete.

„Wie hat er sich infiziert?“, kreischte Sanni, während sie rannten, sprangen, stolperten und weiterflohen.

„Muss vor einem Monat passiert sein!“, kombinierte der Vater und zerrte an Patrick, der von allen am langsamsten lief. „Eine neue Waffe. Er hat’s wahrscheinlich selber nicht gewusst! Aber jetzt weiß ich, warum er die ganze Zeit mit zum Beerensammeln wollte!“

Die Knochenmänner kamen. Sie erschienen wie aus dem Nichts, aus Büschen und hinter Baumstämmen, zuerst zwei, dann vier, zehn, schließlich waren es mehr als zwanzig, die ihnen nachstellten. Diese Kreaturen stellten die Infanterie des Fleisches dar, menschenartige Wesen, ohne Gesichter, mit dunklen Knochenplatten bedeckt, einige mit Faustkeilen und Speeren bewaffnet.

Einer stürzte sich auf Sanni. Ein Faustschlag ins Gesicht und sie rührte sich nicht mehr. Ein anderer sprang dem Vater ans Bein. Er stolperte, stieß Patrick von sich weg und befahl ihm, zu laufen. „Renn, Patti! Renn um dein Leben!“ brüllte er noch, bevor sie sich zu zehnt auf ihn warfen und seine Knochen brachen.

Sein Sohn lief. Mit allem, was er hatte. Bis die Beine stachen und darüber hinaus.

Er wusste, was mit denen geschah, die lebend in den Brustkorb verschleppt wurden. Doske hatte diese Geschichten zu oft wiederholt und noch öfter betont, dass man lieber tot sein sollte.

Abgrund! Vor Patrick! Er bremste stolpernd. Im letzten Moment.

Der Wald brach plötzlich steil ab, ein Fluss hatte über tausend Jahre eine Klamm hineingegraben und damit jede Flucht unmöglich gemacht. Das schäumende Wasser lag zu tief und war zu seicht, um einen Jugendlichen das Leben zu retten.

Es war vorbei.

Patrick wimmerte und dachte wieder an Doskes Warnung: Sei lieber tot, als lebend in den Brustkorb gehen!

Es war also Zeit zu sterben.

Als die ersten Knochenmänner aus dem Wald hervorschossen, nahm Patrick Anlauf und sprang. Da riss ihn eine Kraft herum, wirbelte ihn kopfüber und hielt ihn in der Luft. Ein Knochenmann hatte ihn am Fußgelenk gefangen. Noch in der letzten Sekunde. Seine pupillenlosen Augen starrten den Jugendlichen an.

Nur einen Moment lang, bevor er seine Beute mit übermenschlicher Schnelligkeit zurück auf die Böschung stellte, seinen Hals zwischen Ellenbogen und Bizeps presste und zudrückte. Stählern. Wie ein Nussknacker.

Patrick konnte nicht einmal mehr mit den Armen rudern, bevor er in eine alles verschlingende Finsternis fiel.

***

Stille.

Jemand atmete.

Ein und aus, ruhig und langsam, wieder und wieder.

Das war nicht nur irgendjemand, verstand Patrick auf einmal. Das war er selbst!

Ich bin noch da.

Überlegte er.

Ich lebe noch!

Erkannte er und öffnete die Augen. Rötliches Licht umgab ihn. Da waren mit Adern durchzogene Wände aus Haut, der Geruch von Schweiß und Blut. Irgendwo fern hörte er etwas kauen und schlucken. Unidentifizierbare Geräusche, Schmatzlaute und eine Art Magenknurren zogen an ihm vorüber. Feuchtigkeit, Wärme und Geborgenheit erfüllten die Luft. So musste es in der Gebärmutter gewesen sein.

So war es also im Fleisch  …

Patrick lag auf einem Teppich aus schwarzen Haaren, die zu zucken begannen, sobald er sich aufrichtete. Ein Schuh fehlte ihm und etwas hatte anscheinend seine Hose heruntergezogen.

Da fiel er ihm plötzlich auf. Der Rüssel. Er ragte von der Decke und steckte tief in seinem Mund, bis hinein in den Magen. Patrick würgte, zog ihn heraus und erbrach eine schleimige Substanz auf den zuckenden Teppich, der sie tanzend in sich aufnahm. Er war ernährt worden, verstand er. Von dem Schlauch ernährt und den Haaren gesäubert!

Das war zu viel! Er im Fleisch, künstlich am Leben erhalten, nein! Zu viel! Patrick wollte einfach liegen bleiben, am besten auf diesem gemütlichen Haarteppich und sich erst einmal sammeln, aber da erwachte auf einmal der Rüssel zum Leben, wand sich wie eine sterbende Schlange und schoss auf den Jugendlichen zu, um sich mit aller Gewalt in seinen Mund zu pressen. Patrick wehrte sich, mit Händen und Zähnen. Vergeblich. Der Schlauch peitschte ihn nieder und schob sich mit aller Gewalt zurück in seinen Hals. Sein Opfer wollte erbrechen, was aber schon gar nicht mehr ging. Da war nur noch Rüssel.

Also wälzte sich Patrick herum, auf den Bauch und floh auf allen Vieren aus der Kammer. Dass sie überhaupt einen Ausgang hatte, bemerkte er erst jetzt. Dem Rüssel ging schließlich die Reichweite aus und er verließ Patrick zusammen mit allem, was der Jugendliche sonst noch im Magen gehabt hatte. Er stolperte erbrechend hinaus.

Draußen bedeutete aber nur, immer noch im Fleisch zu sein: Der Korridor war vom gleichen, diffus-roten Licht beleuchtet wie die Versorgungskammer und schien aus steinhartem Muskelgewebe zu bestehen. Nichts schien so, wie Doske es erzählt hatte. Es gab Licht und Luft und war auch längst nicht so stickig und heiß. Kleine Röhrchen schienen frische Luft hierher zu transportieren.
Etwas näherte sich Patrick. Am Ende eines Korridors taumelte eine Gestalt, menschlich, ein Mädchen, das unbeholfen auf ihn zu stolperte. Das musste eine andere Gefangene sein. Oder sogar Sanni!

Patrick lief zu ihr … und bremste sofort wieder ab. Das war kein Mädchen, sondern etwas, das eines darstellen sollte. Eine nackte Gestalt mit hübschem Gesicht, aber mit nudelartigen Röhrchen statt Haaren, glitschiger Haut und keinen Augen. Unter ihren Lidern gab es nur noch mehr Haut, klebrig und nass. Brustwarzen besaß sie auch keine, dafür eine voll ausgebildete, schon fast riesige Vagina, die sie ihm mit unschuldigen Kinderlauten entgegenstreckte. Eine honigartige Flüssigkeit tropfte heraus.

„Du bist endlich wach“, winselte ihr lippenloser Fischmund. „Komm! Ich liebe dich!“

Patrick erstarrte und als es ihn berührte, rannte er wieder um sein Leben.

„Warte! Ich liebe dich!“, rief das Mädchenwesen.

***

Der Körper des Fleisches war ein Labyrinth. Ein Tunnel folgte auf dem nächsten. Da waren Pfützen aus grünem Saft, Türrahmen aus Knorpel, meterlange Wimpern … und Bodenfließen aus Knochen. Wie das Kopfsteinpflaster aus Wien. Nur, dass es kein Wien mehr gab und es in einem kilometerlangen Geschwür gewachsen war.

Alles hier lebte. Die Wände bewegten sich, wie die Muskeln, die sie waren. Sie zuckten, atmeten, Blut pumpte hektoliterweise durch Venen so groß wie Patricks Arm. Und dann war da dieses Gefühl, als würde das Fleisch spüren, wie Patrick durch seinen Körper floh.

Eine Kurve folgte auf die nächste und plötzlich stand er vor einer glühenden Wand aus grünlichem Wackelpudding. Dahinter entdeckte er, wovor Doske gewarnt hatte: In der leuchtenden Götterspeise schwebten menschliche Skelette, mindestens dreißig – Männer, Frauen, Kinder, ein Säugling –, die bis auf ihren Kopf fast vollständig verdaut worden waren. Wurzelartiges Geflecht grub sich in ihre Schädel und ließ sie gelegentlich zucken. Wie Doske es erzählt hatte: Das Fleisch machte aus den Gehirnen seiner Gefangenen, Menschen wie Tiere, Nervenzentren, wie Chips in einem Computer, nur dass sie noch lebten und alles mitbekamen.

Und Patrick anstarrten.

Er quietschte vor Schreck. Über dreißig Augenpaare beobachteten ihm durch das grünliche Gallert an. Dann verschloss sich ein riesiges Augenlid vor dem „Denkzentrum“. Die lebenden Toten verschwanden.

Und das Fleisch reagierte.

Einer der Tunnels sperrte ab. Patrick wollte gerade darauf zustürmen, als er sich sofort verengte und mit einem Furzgeräusch versiegelte. Gleich darauf ein Zweiter und Dritter, bis alle Ausgänge verschlossen waren.

„Was wollt ihr von mir?“, schrie Patrick und bekam sofort eine Antwort. Über ihm gurgelte es und aus einer Öffnung, die zu sehr einem weiblichen Geschlechtsorgan glich, schlüpfte ein weiteres Fischmädchen ohne Augen und landete nass, weich und hilflos auf dem Boden. Sie war kleiner, zierlicher und hellhäutiger als ihre Schwester. Ihre Stimme war auch noch höher und kindlicher.

„Du“, flüsterte sie. „Ich rieche dich schon seit Wochen …“

Das Mädchenwesen streckte ihre weiße, glitschige Hand nach Patrick aus. Er wich zurück.

„Bitte hass’ mich nicht!“, flehte sie.

Patrick würgte sich. Er wollte laufen, ausschlagen und konnte doch nur auf die Knie sinken. „Was bist du?“

Sie zögerte, schluckte unbeholfen, als würde sie es das erste Mal tun und antwortete: „Ich bin –“ Ihr Mund zitterte. „Ich weiß nicht, was ich bin.“

„Warst du mal ein Mensch?“, fragte Patrick und dachte an seine Schwester.

„Ich war mal viele Menschen. Ich war Peter aus Leubas und Anne-Luisa aus Unterwang und Dragán aus Härtnagel und –“ Sie hielt inne. „Wir sind geschmolzen. Sind eins geworden. Haben mich erschaffen und von uns abgetrennt. Ich spüre uns noch, aber ich kann unsere Gedanken nicht mehr –“ Sie streckte ihm auf einmal ihren nackten Schoß hin, ihr honigweinendes Geschlecht, wie schon ihre Schwester. „Ich liebe dich so sehr …“, presste sie hervor, als hätte sie es zu unterdrücken versucht.

Patrick konnte sich wieder nicht rühren. Zuviel Horror, zu viele Alpträume, die in dem Fleisch vor sich gingen …

„Was willst du von mir?“, wimmerte er. „Warum bin ich nicht schon längst in der Götterspeise? Oder tot?“ Er weinte, ohne es zu bemerken.

Das Mädchen kam näher und begann ihn, mit den Beinen zu umklammern, schwach und kraftlos.

„Du sollst mich lieben. Und ich liebe dich. Liebe mich! Ich will dich …“

Auf einmal schrak sie zurück.

„Töte es!“, befahl eine tiefe Stimme.

Patrick zuckte zusammen.

Sein Vater stand hinter auf einmal ihm. Er war durch einen jetzt wieder geöffneten Durchgang gekommen, blutüberströmt und in seinen Pranken von Händen hielt er sein geliebtes Bowie-Messer. Eine gekonnte Drehbewegung und er hielt seinem Sohn den Knauf hin. „In diesen Tunnels kriechen ein Dutzend von diesen Viechern herum! Wenn du eine tötest, lassen sie dich in Ruhe!“
Patrick sah zu dem Fischmädchen, das nun zurückzuckte.

„Los! Töte es! Oder ich lasse dich hier zurück!“, drohte der Vater kalt.

Patrick holte verzweifelt Luft, nahm das Messer und trat an das Mädchen heran.
Sie flehte um Gnade: „Warte! Bitte! Ich liebe dich! Wirklich! Liebe ist nur ein Hormon. Oxytocin! Wir haben mich so erschaffen. Ich bin ein –“

„Nimm ihre Nudelhaare und schneid’ ihr die Kehle durch!“

Patrick packte ihren Schopf. Sie wehrte sich, war aber viel zu schwach. Dann weinte sie. Ihre augenlosen Augen weinten echte Tränen. „Bitte!“, kreischte sie, so sehr man ihr zaghaftes Wimmern einen Schrei nennen konnte. „Ich bin – Ich bin echt! Ich habe Gefühle! Ich mag Wärme, ich hasse Kälte, ich liebe deinen Geruch! Ich –“

„Töte sie!“

„Ich liebe dich!“

„Jetzt!“

„Ich liebe dich wirklich, Patrick!“, war das letzte, was sie jemals sagte, bevor er ihre Kehle durchschnitt. Blut, warmes, echtes Blut stieß aus ihrem Mund und sprühte regelrecht aus ihrem Hals, während sie nach seinen Händen griff und verzweifelt nach seinem Blick suchte, bis ihr Körper erschlaffte und zu Boden ging, wo er in der Hocke sitzen blieb.

Der Vater klopfte Patrick auf die Schultern. „Entschuldige, dass ich so hart zu dir war, aber es ging nicht anders. Das sind Doppelgänger. Oder sollen es mal werden. In ein paar Jahren werden sie von Menschen nicht mehr unterscheiden zu sein.“

„Sie wollte mit mir schlafen“, bemerkte Patrick und ließ den Blick nicht von der kleinen, zierlichen Leiche. Sie war so unschuldig gewesen.

Der Vater nickte. „Natürlich wollte sie das.“

„Warum?“

„Stell’s dir einfach vor: Einer unserer Sammler wird von seiner Gruppe getrennt. Er gerät in einen Hinterhalt aus Knochenmännern und wie durch ein Wunder überlebt er. Dann trifft er eine Frau, eine Überlebende aus einem anderen Lager oder einer anderen Gegend – wie sie ihm zumindest erzählt –, sie verlieben sich und er kehrt mit einer neuen Ehefrau zu uns zurück. Wir feiern, jeder hat neue Hoffnung und zehn Tage später folgen die Zähnefinger ihrer Spur, kriechen uns durch jedes Luftloch und fressen sich in unsere Körperöffnungen. Das sind Doppelagenten! Und wahrscheinlich sogar wirklich in uns verliebt!“

„Doppelagenten?“, erwiderte Patrick und versuchte sich, ihr Blut abzuwischen. Es war überall, tropfte von seinen Händen, seiner Kleidung, sogar von seinem Kinn.

„Schade, dass wir keine Agentenfilme retten konnten. Ich erklär’s dir ein andermal! Lass uns verschwinden!“

Patrick gab das Messer zurück. „Sind wir deswegen noch am Leben? Als Test?“

„Davon geh’ ich aus.“

„Dann kommen wir hier nicht weg. Das Fleisch hat doch sicher schon geahnt, dass wir diese … Doppelagenten umbringen und lässt uns niemals entwischen. Wir wissen schon zu viel. Außerdem können sie uns jeden Moment zerquetschen“, sagte Patrick mit zittriger Stimme und deutete auf einen verschlossenen Tunnel.

Der Vater lachte auf. „Das haben sie bei mir versucht, nachdem ich die erste Doppelgängerin aufgeschlitzt hab’. Leider reagiert ihr Körper ziemlich stark auf … Schmerz!“, verkündete er und stach mit dem Messer in eine Muskelfalte. Der Durchgang öffnete sich auf der Stelle.

„Und die Knochenmänner, die vor dem Brustkorb warten? Wie kommen wir an denen vorbei?“

„Wir warten auf die Nacht, schmieren uns mit Rehscheiße ein oder schwimmen den Fluss hinauf. Doske hat es so geschafft. Hin und zurück. Wir schaffen das auch! Und jetzt suchen wir deine Schwester!“

Patrick warf dem Fischmädchen einen letzten Blick zu: Sie kniete immer noch an Ort und Stelle, in einer riesigen Pfütze aus Blut. Fast, als würde sie es bedauern, von dem Kerl, den sie geliebt hatte, ermordet worden zu sein.

***

Der Vater behielt Recht: Die Mädchen wichen ihnen aus. Patrick entdeckte noch zwei im Augenwinkel. Wandte er sich zu ihnen um, liefen sie um ihr Leben.
„Aber ich liebe ihn!“ kreischte eine der Gestalten und wurde von einer anderen ins rote Dunkel gezerrt.

Ansonsten durchsuchten sie die Tunnels so, wie Patrick zuvor durch sie geflohen war: Wahllos. Sie folgten einfach jedem verfügbaren Korridor und versuchten sich den Weg zu merken, bis sie in einem Bereich ankamen, wo das Licht heller und die Luft wärmer wurde. Patrick erkannte diese Gänge sofort: Nur unweit von hier war er aufgewacht.

Ein Stöhnen drang auf einmal durch die Gänge: Sanni! Das war unverkennbar ihre Stimme.

„Sabine!“, brüllte der Vater, beide stürmten los, Patrick dieses Mal voran.

Sie folgten einer Kurve, passierten einen knöchernen Torbogen, es wurde noch wärmer und noch heller. An der hohen Decke verliefen Adern so groß wie Schlafsäcke, in denen scheinbar Licht pulsierte. Biolumniszente Bakterien, erklärte Vater. Im nächsten Korridor sammelten sie sich sogar zu blendend hellen Pusteln.

Patrick trat ohne es zu merken über eine Grube, deren Boden aus festgewordenen Würmern bestehen zu schien. Der Vater schaffte das nicht. Kaum trat die Sohle seines Armeestiefels auf das Gewürm, erwachte es zum Leben, fesselte seine Beine, zog ihn zu sich, schneller als sein Sohn reagieren konnte und verschlang ihn regelrecht. Sie drangen in seine Nase, seinen Mund, einer presste sich sogar unter sein Augenlid in den Kopf. Ein letztes Stöhnen, ein grausiges Knacken und jeder Widerstand dieses großen Mannes mit dem großen Bart erschlaffte. In weniger als einer Sekunde.

Patrick schrie und versuchte vergebens seinen Vater zu retten, doch die Wurmfinger hielten fest umklammert. Der Sohn sah sie unter seinem Hals arbeiten.

Sie – und nicht sein Vater – öffneten seinen Mund und erklärten mit Stimmbändern, auf der sie wahrscheinlich wie auf einer Gitarre spielten: „Dein Vater. Ist. Nicht tot.“

„Lasst ihn frei! Bitte!“

„Du hast. Unser Wort. Aber. Das. Was nun folgt. Würde er. Nicht. Verstehen.“

„Seid ihr das Fleisch? Von was redet ihr?“

„Geh jetzt. Zu. Deiner. Schwester …“

Mit Schmatzlauten verschwand der riesige Mann im Gewürm, ein Schluckgeräusch und es verfestigte sich wieder zu einer steinernen Platte. Patrick war allein.

Da hörte er wieder Sanni wimmern.

Es waren nur noch Schritte bis zum Ziel. Patrick fand einen Baum aus Sehnen, Zähnen und schlagenden Herzen – wohl ein Grusel-Kunstwerk seiner Gastgeber – und ließ eine Spalte aus gelblich-glühendem Geflecht hinter sich – vermutlich die Festform der biolumniszenten Masse.

Eine Treppe aus Knochenplatten folgte noch, bevor sich ihm eine letzte Doppelgängerin in den Weg stellte. Sie war anders als ihre Schwestern, ihre Haut fester und menschlicher und ihre Haare dünner und weniger nudelartig. Ihr schienen sogar Andeutungen von Brustwarzen zu wachsen und im Kontrast zu ihren Artgenossen trug sie Kleidung, wenigstens eine Hose. Sannis Hose!

„Warte!“, bat sie und stolperte ungeschickt auf Patrick zu.

„Das ist die Hose meiner Schwester!“

Ihre Augen waren allerdings ebenso nur mit Haut überzogene Klumpen. „Patrick, warte! Bevor du weitergehst, musst du wissen: Wir haben gelernt. Ein Krieg, der mit der vollständigen Vernichtung des Feindes endet, wird eine Welt erschaffen, in der mit solchen Mitteln Konflikte gelöst werden dürfen. Verstehst du das?“

„Wovon redest du?“ Patrick ballte seine Fäuste.

Sie berührte seinen rechten Arm. Diese Spezial-Doppelgängerin war warm, fast heiß – weit wärmer, als jeder Mensch. „Wir haben es in den Texten unserer Eltern gelesen“, würgte sie angestrengt hervor und schluckte. „Sie nannten es den Humanistischen Gedanken: Ein Mörder darf nicht mit dem Tod bestraft werden, ein Krieg nicht durch Vernichtung gewonnen. Solche Schritte öffnen eine Tür, die nicht wieder geschlossen –“

„Wo ist meine Schwester? Was hat das mit ihr zu tun?!“

„Wir haben mir ihr gesprochen. Es geschah nicht freiwillig, aber sie hat es verstanden. Sie –“

Patrick schlug das Frauenwesen nieder und lief weiter.

Sanni lag in einem Raum wie der, in dem er auch aufgewacht war, nur dass er heller und bedeutend wärmer war. Im Gegensatz zu ihm hatte sie auch keine Kleider mehr an. Seine Schwester lag nackt auf den zuckenden Haarteppich, was Patrick zuerst ekelte. Rüssel hingen von der Decke herab. Einer versorgte sie wie ihn mit Nahrung, der andere … steckte in ihrem Schoß.

In ihrer … Muschel.

Tief.

Ihrem Bruder stellten sich vor Schreck die Haare auf, Tränen schossen in seine Augen, bevor er den Schlauch schreiend aus seiner Schwester zog. Aus seinem Ende tropfte eine Substanz, klebrig, zähflüssig, von der er längst wusste, dass sie es war.

Patrick schrie. Stumm. Er glaubte, zu ersticken.

Weil er jetzt endlich verstand: Die Doppelgängerinnen waren keine Agenten und auch keine Köder. Es waren Mütter. Oder sollten Mütter werden, von etwas, das nun auch in Sanni heranreifte: Einem Friedensvertrag zwischen den Herren der Erde und dem Ungeziefer.

Einem gemeinsamen Kind.

 

– Maxx, 1998

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