2 von 5 Sternen – Meine Rezension der Bibel

Bibelrezension – Die Bibel

Eine Rezension der Bibel
Ein Blog von Maximilian Wust

2 von 5 Sternen für den berühmtesten Fantasyroman aller Zeiten
Vorweg muss ich bemerken, dass ich eigentlich kein großer Freund von Mainstream-Literatur bin, wie auch verbalen Schmalzereien, die wir heute zeitlose Klassiker nennen. Der Bibel ist es jedoch gelungen, beides zu sein und noch dazu den größten Fankult aller Zeiten zu erschaffen, also war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich mir den Schinken einmal antun musste.

Für alle, die sie nicht kennen: Die Bibel (der Titel ist eine Vermurksung des altgriechischen Wortes biblia, z.D.: Bücher) ist der meistverkaufteste Fantasyroman aller Zeiten. Mindestens fünf namentlich bekannte Autoren und über fünfhundert Jahre Entwicklungszeit waren notwendig, um diesen Mix aus Historischer und High Fantasy zu erschaffen, der sogar Harry Potter und Herr der Ringe in den Schatten stellt. Ob sich die Arbeit gelohnt hat, will ich in dieser 1.500 Wörter starken Rezension beantworten.

Abb. 1: Schrieb die berühmteste Fan-fiction über sich selbst: Abu l-Qasim Muhammad (rechts), ferner auch bekannt als The Big M.


Blutig und vorhersehbar durch die Antike
Die Bibel ist an sich kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern mehr eine gemischte Sammlung an simplen Lebensweisheiten und Kurzgeschichten, die allesamt im Israel und Ägypten der Antike spielen und dabei vor allem durch drei Eigenschaften glänzen, nämlich blutig, kurz und vorhersehbar zu sein. Als ein roter Faden, der die Storys lose miteinander verbindet, dient ein schizophrenes, namenloses Gottwesen mit gruseliger Tendenz zu Genoziden – in Fan-fictions oft als alter Mann mit weißem Rauschebart, so eine Art Vernichtolaus, dargestellt –, aber dazu später mehr.

In der ersten Buchhälfte handeln diese Geschichten gern von irgendeinen Helden, der endlos Mitglieder feindlicher Nationen niederstreckt. Da erschlägt ein Jugendlicher namens David zweihundert Leute und schenkt ihre Vorhäute an den nächstbesten König; ein andermal wird befohlen, sämtliche Frauen des feindlichen Midianiter-Stamms zu töten, die keine Jungfrauen mehr sind und die Bewohner des antiken Samaria erwischt es besonders hart: Zur Strafe für ihren Ungehorsam sollen ihre Kinder „zerschmettert“ und die schwangeren Frauen aufgeschlitzt werden. Im Allgemeinen scheinen es die Autoren auf Säuglinge abgesehen zu haben, denn gerade zu Beginn stürzt sich jede dritte Hauptrolle auf sie, mit Mordlust, Schwertern, Steinen und Absichten, die bizarrerweise auch noch als gut verkauft werden.

Um neben dem Gewaltphantasien auch noch einen Spannungsbogen aufzubauen, gerät dieser Recke oder sein Volk im Laufe der Handlung in eine missliche Lage, aus der er oder sie auf die stets selbe Art gerettet werden: Dem zuvor erwähnten Gott. Wird es brenzlig, schickt eben jener Vernichtolaus eine Sturmflut, eine Seuche, einen Todesengel oder ähnliche Massenvernichtungswaffen und rettet seinen Metzler durch ein Gemetzel. Überraschende Wendungen oder intelligente Lösungen bleiben nach spätestens der zweiten Kurzgeschichte aus.

Ist ein Held dann unkreativ gerettet worden, folgt meist ein Epilogsversuch, von wegen welche Söhne er hatte und welche Söhne diese hervorbrachten und das in einer Aufzählung, die gerne mal zehn Namen umfassen kann. Manchmal wirkt das, als hätten sich auf diese Art irgendwelche Kriegsfürsten des antiken Israels ihren Herrschaftsanspruch legitimiert – eben, indem sie behaupteten, von diesem oder jenen namhaften Metzler abzustammen.

Das sind jedenfalls die positiven Beispiele für die Kurzgeschichten. Die Negativen sind dagegen zu kurz, aussagelos und neigen dazu, den Leser unter einer Namensflut zu begraben. Gottesfürchtiger Spaßmörder A erkannte seine Frau B, gottesfürchtiger Kriegstreiber C erschlug den gottlosen Recken D – so geht es endlos fort und liest sich eher wie das Konzept für eine Geschichte als eine. Eine schiere Masse an Personen erlebt meist belanglose Abenteuer, bevor sie einer nach dem anderen im endlosen Strom der Protagonisten untergehen.

Einzig der latente Besserwisser Jusos oder Jasus (sein richtiger Name ist mir leider entfallen – Grund: zu viele Protagonisten) erlebt eine spannendere Geschichte: Der stets rechtschaffene, am historischen Vorbild des Jesus Christus orientierte Zauberer, Klugschwätzer und Sektenguru ist nämlich der Spross des Zerstörergottes. Um die Zeit von seinem realen Vorbild sammelt dieser Gottessohn debile, charakterlose Leergeister als Anhänger, wird von einem an die Römer verkauft und als es dann endlich losgeht, ist er auch schon tot. Dass er im Epilog von Papa Gott wiederbelebt wird, tröstet nur wenig darüber hinweg, dass gerade eben die einzig gute Geschichte in diesem endlosen Schinken in der Mitte abbricht.

Von dem antiken Sektenguru einmal abgesehen, haben diese Geschichten stets nur eine, etwas profane Aussage: Verehre den namenlosen Gott und er bringt dich nicht um. Oder wenigstens nicht immer, denn hier wird die Bibel tatsächlich interessant: Gott ist alles andere, als mit sich im Reinen oder seinen Versprechen treu. Wo zu viele Fantasyromane mit weisen, klugschwadronierenden Gottesgestalten aufwarten, ist der Gott der Bibel ein angenehmer Zufallsgenerator: Mal grausam, meist sadistisch, mal leicht auszutricksen, dann eingeschnappt, dann wieder hochintelligent.

Wer ihn nicht vergöttert, den vernichtet er kurzerhand mit einem von vielen Massenvernichtungszaubern und wer es dennoch tut, den prüft er gerne mit grausamer Folter. Oder indem er seine Verwandten umbringt.

Bibelrezension – Weißer Jesus
Abb. 2: Jesus Christ the Whitewashed – die Fan-fiction eines Weißen im Israel zu Christi Geburt. Historisch so korrekt wie der Heilige Katana von König Artus.


Das gekränkte Kind
In der fiktiven Welt der Bibel ist die Erde nicht durch einen protoplanetarischen Schmelztiegel und das Leben  in der Ursuppe entstanden, sondern durch die Hand eines übermächtigen Wesens erschaffen worden. In nur sieben Tagen, so wird im Prolog grob umrissen, wobei die Schöpfung des ganzen Universums mit seinen Milliarden von Galaxien nur einen Tag benötigte und die Welt dagegen fünf. Das kann man jetzt als eine Verehrung der Komplexität des biologischen Lebens deuten, wirkt aber eher wie schlechte Recherche.

Nachdem nun also die Galaxis, die Erde und der Mensch aus dem Nichts in die Existenz geploppt worden sind (denn leider beschreiben die Autoren mit keinem Wort, wie man ein Universum an einem Tag aus dem Hut zieht), beginnt der Charakter des Gottes interessant zu werden. Vorweg scheint der einzige Zweck seiner Schöpfung darin zu bestehen, wieder getilgt zu werden. Gott steht ihr nämlich schon bald überfordert gegenüber: Sie missachtet seine Befehle, bricht seine Regeln, interpretiert seine Aussagen falsch und tut grundlegend das, was sie gerade will, was er zuerst mit unglaublicher Grausamkeit, dann später mit ebenso schizophrenem Verhalten beantwortet. Die Metapher einer Mutter, die an ihren Kindern verzweifelt.

So gibt er der Menschheit in einem der frühen Kapitel 12 Gebote (oder es waren vielleicht auch nur acht – ich müsste jetzt nachblättern), ohne zu bemerken, dass zwei dasselbe bedeuten. Was auch keine Rolle spielt, denn diese Gebote sind Gott wenig später selbst auch wieder schnurz. Eines besagt nämlich, niemanden töten zu dürfen, was Gott dann trotzdem ein paar Seiten später in Auftrag gibt und oft genug legitimiert, solange es seiner Sache dient.

Ein andermal radiert er fast die ganze Menschheit aus, indem er einfach mal den Meeresspiegel um ein paar Kilometer anhebt, um danach selbst einzusehen, vielleicht ein bisschen zu übertrieben haben. Er verspricht der Menschheit, sie nicht mehr zu behelligen (also von seinen Massenvernichtungstricks zu verschonen) und bricht es gleich bei der ersten Gelegenheit, indem er die Stadtstaaten Soßen und Gondola (oder so), die halt nicht so sind, wie er es gerne hätte, auf ihre Brennbarkeit überprüft. Wenig darauf wird er dann von der Schlange, dem eindimensionalen Bösewicht der Bibel, dazu überzeugt, doch die Familie eines Mannes umzubringen, um seinen Glauben zu testen – und das mit Tom Sawyer-artigen „Wetten, du traust dich nicht?“-Argumenten.

Und das macht Spaß. Gott zweifelt, zögert, ist mal von Anerkennung besessen, dann wieder unschuldig naiv und neigt gleich darauf zu radikaler Mordlust, sobald er versteht, dass er wieder einmal ausgetrickst wurde. Seine eigene Macht ist ihm oft zu viel, was seine Diener wie Schöpfungen nur allzu gern ausnutzen. Erst gegen Ende des zweiten Teils, marginaler Spoiler, beginnt er an seiner endlosen Umbringerei zu zweifeln. Der resignierende Vernichtolaus belässt es daraufhin bei einer letzten Drohung der Massenvernichtung, nämlich die Menschheit zum Schluss doch noch auszurotten und begibt sich in den Hintergrund.

Vollkommene Macht korrumpiert vollkommen – aber macht sie auch glücklich? Die Bibel wirft dazu interessante Fragen auf.

Bibelrezension – Der Vernichtolaus
Abb. 3: Für die einen ist es der Armageddon, das Ende aller Zeit; für Gott nur ein Mittwochabend.


Kalenderweisheiten und Geschwisterliebe
Warum also trotzdem nur zwei Sterne? Weil Autoren wie Journalisten gern den einen fatalen Fehler machen: nämlich, es besser wissen zu wollen. Letztere sehen sich zu oft als Experten für Politik, Erstere als Experten für das Leben anderer. Das gilt leider auch für die Bibel. Sie ist neben den Kurzgeschichten auch ein Sammelsurium aus kindischen Lebensweisheiten und fragwürdiger Tipps.

Die harmloseste Form davon sind, um ein Beispiel zu nennen, Zuchtverfahren für Paarhufer: So behaupten die Autoren, man könne die Flecken auf dem Ziegenfell dadurch bestimmen, indem die Tiere während der Kopulation auf Büsche oder auf Hügel starren. Es ist nachvollziehbar, dass man sich als Bio-Laie nicht unbedingt mit Genetik und X-Inaktivierung auszukennen hat – tue ich ja auch nicht –, jedoch geht diese Behauptung weit über tolerierbares Halbwissen hinaus. Und ist leider nur die Spitze des Eisbergs.

In einem späteren Kapitel wird dem Leser einmal empfohlen, Nutzvieh, das einer natürlichen Todesursache verstarb, nicht selbst zu verspeisen, sondern das Fleisch an Fremde zu verkaufen. Einem Unbekannten eine Lebensmittelvergiftung verpassen – das ist mal ein seltsamer Ratschlag von eben jenem Gott, der behauptet, die Menschheit zur Rechtschaffenheit erziehen zu wollen.

Etwas später, gegen Ende der ersten Hälfte, hat die Bibel auch einen guten Tipp für Singlefrauen: Findest du keinen Mann? Kein Problem, nimm einfach deinen Vater! Mach den Alten betrunken und es sei dir sogar gegönnt, sein Kind auszutragen. Im Allgemeinen strotzt das ganze Buch nur so vor Inzestphantasien, zweimal wird sogar die Menschheit auf diese Art neugestartet, was manchmal etwas schwer zu verdauen ist.

Bibelrezension – Putten
Abb. 4: Warum sind die Diener Gottes eigentlich nackte, speckige Buben? Warum nicht nackte, vollbusige Supermodels? Siehe den Islam: Die bildhübschen Huris sind mal weit besseres Marketing als diese Päderasten-Bonbons.


Fazit
Die Bibel ist trotz ihrer großen Prominenz kein genauso großer Roman, bedauerlicherweise. Bizarre Gewaltphantasien, unglaubwürdige Kindergeschichten, endlose Widersprüche und ein furchtbar kantiger Schreibstil machen die Kurzgeschichtensammlung zu schwierigen Lesestoff. Da hilft auch das paradoxe, von Frustration und Enttäuschung geleitete Gottwesen nur wenig. Zu oft liest es sich einfach, als wäre die erste Hälfte von kriegerischen Wüstenvölkern geschrieben worden, während die zweite Hälfte einen stark missionierenden Ton aufweist, fast so, als wolle mich der Roman davon überzeugen, diese Kurzgeschichten hätten wirklich stattgefunden.

Warum die Bibel sogar als Kinderbuch vorgeschlagen wird, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären. Sie ist blutig wie ein Leitfaden zur Abtreibung und voller übertriebener Ratschläge, die gerade jüngere, unschuldigere Geister wirklich ernstnehmen könnten.

Aber die Autoren haben trotzdem großes Potenzial bewiesen. Ein so interessantes Gottes-Psychogramm hat bisher sonst niemand erstellt und es wird wohl noch eine lange Zeit dauern, bis es jemand überbieten kann. Ich würde auch gern eine Rezension zur inoffiziellen Fortsetzung, dem Koran schreiben, doch da hat die Fan-Gemeinde den Ruf, nur zu oft aggressiv zu reagieren, wenn jemand eine Logiklücke in ihrem Kanon aufzeigt … und das ist mir ein bisschen zu viel.

Bibel-Rezension: Kreuzzüge
Abb. 5: Fan-Communitys, die sich irgendeines Nonsens wegen (den sonst niemand interessiert) die Köppe einhauen. Amateur-Handyphoto von 2014, koloriert.

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